Mein Reisetagebuch auf den verschiedenen Caminos

Etappe 6 – Guernica nach Bilbao

Die heutige Etappe von Guernica nach Bilbao sollte eine Monsteretappe werden. Am Morgen kurz vor 7:00 Uhr verabschiedete mich die Statue des singenden Gitarrenspielers aus Guernica. Unterwegs kam ich noch an einer Pilgerstatue neben einer Pilgerkarte vorbei, diese behauptete die Etappe wäre ca. 28,9 km lang und es müssten 897 Höhenmeter bewältigt werden. GELOGEN, es waren sage und schreibe 34,13 km und 941 Höhenmeter.

Nach Guernica stand noch eine kleine Steinskulptur, eine ähnliche empfing mich dann übrigens kurz vor Bilbao – Zufall oder Sinnbild? Wie sollte es auch anders sein, noch bevor ich richtig auf Betriebstemperatur kam, ging es erstmal wieder richtig über Stolperwege den Berg hoch bis zum alten Grenzstein, von welchem aus ich nochmal einen schönen Blick auf Guernica im Sonnenaufgang werfen konnte. Weiter ging es über Viehweiden, wo der Bauer auf Europaletten in mehreren Sprachen darauf hinwies, man möge doch bitte die Gatter auch wieder schließen, denn die Ziegen sind nicht ohne Grund eingezäunt. Nach ca. 10 km passierte ich die kleine verschlossen Ermita de San Esteban, danach ging es wieder auf einen Waldweg bis Goikolexea. An dem Waldweg steht übrigens der weltweit einzige Unterhosen- und Sockenbaum, hätte es den mal auf dem Weg nach San Sebastián gegeben, dann hätte ich mir die Bustour sparen können. In Goikolexea ging es an der Kirche links und nach ca. 2 km war ich dann um 11:30 Uhr in Larrabetzu und freute mich auf ein ordentliches Pilgermenue, das gab es aber erst ab 12:00 Uhr. Gut eine halbe Stunde rumsitzen nahmen meine ausgelatschten Beine locker mit. Nach einem guten Menü, es schmeckte wie Schweinsbraten mit Pommes, und einem Café con Leche ging es weiter nach Lezama wenig spektakulär an der Landstraße entlang. Einmal dachte ich jedoch, ich würde im Suppenkoma halluzinieren, da standen doch plötzlich 2 ausgewachsene Strauße mit Kuhmodellen aus Plastik auf der Wiese und pickten genüsslich Grass. Bis Zamudio ging es entlang einer vielbefahrenen Bundesstraße, wenig inspirierend. Eigentlich wollte ich mir die zusätzlichen 300 Höhenmeter von Zamudio über den Berg nach Bilbao sparen und ab dem Flughafen mit der Bahn fahren, jedoch wollte ich die Tour aber auch nicht entlang einer Bundesstraße beenden. Also habe ich meinem inneren Schweinehund eine mitgegeben und mir selbst quasi in den Allerwertesten getreten und bin dann doch zu Fuß nach Bilbao. Auch wenn der Aufstieg bei gefühlten 35°C teilweise in der prallen Sonne, mich zu ausführlichen Diskussionen über Sinn und Zweck der Entscheidung, über den Berg zu laufen, mit meinem Schweinehund zwang, wurde ich dann auf der anderen Seite mit einem schönen Blick auf die Stadt belohnt.

Da ich auf der Südseite in die Stadt kam, musste ich noch 3 km durch Bilbao zu meinem heutigen Apartment laufen und so bekam ich schon die ersten Eindrücke der Stadt und einen Vorgeschmack auf den morgigen Tag. Ich gönne mir morgen nämlich einen freien Tag und werde mir Bilbao genauer ansehen und berichten.

Vielen Dank an Andrea, Erich und meine liebe Frau für die Unterstützung heute. Habe mir das Sandwich und das Abendessen schmecken lassen.

Erkenntnis des Tages:

Man kann seinen Schweinehund auch mal überstimmen und wird dann belohnt.

Buen Camino
Klaus

3 Kommentare

  1. Erich Löfflath

    So, schon wieder ich: Mann, das ist aber eine Monster-Etappe, die Du gelaufen bist! Respekt! Du hast den Ruhetag verdient. (Guggenheim Bilbao ist großartig!!!!) – Gute Nacht!

  2. Claudia Zimmermann

    ❤️

  3. Bob

    Tolle Bilder, toller Tag…ist sicherlich eine Reise wert…

    Hasta luego // Robert

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