So heute ging es nun wirklich los auf meinem Camino, nach ordentlicher Pilger-Manier bin ich früh um 6:00 Uhr gestärkt mit einem Käse/Salami Brötchen gestartet. Ich war wirklich bereit für den Camino del Norte!

Nach ca. 45 Minuten erreichte ich das sehr schöne, aber noch verschlafene Städtchen Hondarribia. Dort holte ich mir auch gleich meinen ersten Pilgerstempel ab, da ich in Irun so früh noch nichts gefunden hatte. Hondarribia ist wirklich ein wunderschöner Ort mit vielen alten gut erhaltenen Häusern und sehr viel Flair.

Danach ging es dann über Landstraßen und einen kleinen Bambuswald hinauf zur Kirche San Guadalupe. Auf dem Weg dorthin überholten mich ganze Heerscharen von Menschen. Ich dachte schon, wenn die alle den Camino laufen, dann bin ich wohl auf dem Pilger-Highway gelandet. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie alle zur Messe in der Kirche wollten.

Kurz hinter der Kirche war ich dann wieder weitgehend alleine unterwegs und fand kurz darauf meinen ersten Caminowegweiser, ich war angekommen. Keine 50 m weiter gabelte sich der Weg und es gab einen leichteren am Jaikzibel entlang und einen direkt über den Jaikzibel. Für mich als Alpenländer kam nur der Weg über den Jaikzibel in Frage. Nicht ahnend, dass die Spanier hier wirklich den direkten schnurgeraden Weg nach oben, und nicht wie üblich in Serpentinen Höhe gewinnen. Just auf diesen Stück hörte ich Hape Kerkelings Hörbuch „Ich bin dann mal weg“ in dem er gerade seinen Anstieg auf den ersten Gipfel schilderte – ich konnte mitfühlen, nicht nur sein Rucksack wollte zurück, auch meine 17 kg zerrten an mir. Nach ca. 200 Metern kam ich dann auf ein Hochplateaus, welches ich mir mit einigen Pferden und Schafen teilte. Der weiter Anstieg war dann mal flach, mal wieder etwas steiler, alles in allem aber machbar. Gegen 11:00 Uhr war ich dann am Gipfel, hier gönnte ich mir erstmal meine Wurstsemmel und den wunderbaren Proteinriegen von Meli und Christian, Danke dafür!

Da es jetzt eigentlich erstmal nur noch nach unten Richtung Pasai ging, machte ich mich wieder voll motiviert auf den Weg. Aber warum soll es abwärts anders als aufwärts gehen, auch hier gab es wieder extrem steile und sehr felsige Wege, auf denen meine 17 kg am Rücken wieder richtig anschoben und meine Kniescheiben und Knöchel verzweifelt nach weißen Fahnen suchten. Irgendwann gegen 13:00 Uhr war ich dann mit einem heraufziehenden Krampf an der Innenseite der Schenkel am Hafen in Pasai angekommen, hier gönnte ich mir einen leckeren Fleischeintopf als Pilgermahl.

Danach setzte ich mit der kleinen Personenfähre für 80 ct über und wollte meinen Camino fortsetzen. Leider habe ich mich in den Gassen dann so verlaufen, dass ich dann mit Google nach San Sebastián navigierte, natürlich nicht auf dem offiziellen Weg, mehr an der Straße, meine Kniescheiben dankten mir aber. Gegen 15:00 Uhr war ich in der gebuchten Unterkunft. Der Plan war nun, duschen, Wäsche waschen und ausruhen. Leider merkte ich aber, das ich meine Waschmaschine inklusive einer Wäschegarnitur in Irun vergessen hatte. Also mit dem Bus zurück nach Irun und alles wieder abholen, hat ganze 2 Stunden gedauert.

Zurück in der Unterkunft in San Sebastián habe ich dann endlich die Wäsche gewaschen und bin noch schnell in die Kirche San Bizente gegenüber gegangen und habe mir beim Pfarrer in der Sakristei einen Pilgerstempel abgehol, er hat sich sichtlich gefreut, seinen schönen Stempel in meine Credencial del Pelegrino zu machen.

So das war es für heute, morgen stehen die nächsten gut 20 km nach Zarautz auf dem Plan.

Gute Nacht und buen Camino

Klaus

PS: Danke an meine liebe Claudia und Erich für die Motivations- und Übernachtungsspende

Erkenntnis des Tages:

Sei demütigt und unterschätze niemals den Camino!